Es tut sich was in Dänemark -
eine neue Fahrzeuggeneration für Ambulance Syd
Das dänische Rettungswesen erlebt gerade einen Wandel, der in seiner Konsequenz und Geschwindigkeit bemerkenswert ist. Nachdem es über Jahrzehnte weitgehend vom privaten Anbieter Falck dominiert wurde, übernahmen ab 2016 mehrere Regionen den Betrieb schrittweise in eigene Verantwortung. Gleichzeitig bleibt Falck weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Systems und betreibt auch heute noch Rettungsdienstleistungen in mehreren Regionen – unter anderem in einem von vier Einsatzgebieten in der Region Süddänemark, wo man mit der Arbeit auch sehr zufrieden ist. Die Region Süddänemark gilt als Vorreiter der Rekommunalisierung. Seit ihrer Gründung 2016 übernahm hier Ambulance Syd den Betrieb und baute ihn zielsicher weiter aus. Obwohl diese Stringenz durchaus charakteristisch für das dänische Gesundheits- und Verwaltungsverständnis ist, waren die ersten Jahre während der Umstrukturierung besonders für die Mitarbeitenden hart, wie Jens Roed, Head of Vehicles and Material bei Ambulance Syd aus eigener Erfahrung weiß. Informationsdefizite, Personalengpässe und strukturelle Veränderungen prägten die Anfangszeit. Doch dank flexibler, engagierter und gut ausgebildeter Rettungskräfte, aber auch umsichtiger Planer wie ihm, besteht ein stabiles, professionell organisiertes System. Das passende Fahrzeugkonzept dazu durften wir gemeinsam mit Ambulance Syd und unserem dänischen Partner Mercedes-Benz P. Christensen realisieren.
Vom Leistungsverzeichnis zur Teamarbeit
Wie es bei öffentlicher Trägerschaft üblich ist, stand auch in Dänemark am Anfang eine Ausschreibung. Gemeinsam mit unserem Partner Mercedes-Benz P. Christensen konnten wir überzeugen und bekamen den Zuschlag. Der Anfang war gemacht, doch Ausschreibungen geben nur die formalen Rahmenbedingungen vor, am Ende entscheidet aber unter anderem auch das Zwischenmenschliche, ob aus einem Vergabeverfahren eine tragfähige Zusammenarbeit entsteht. Heute können wir sagen: In der Region Süddänemark ist dies gut gelungen. Das Fundament für den Erfolg bildete die Partnerschaft von Mercedes-Benz P. Christensen und Ambulance Syd. Klaus Kjær ist seit 17 Jahren als Head of Procurement im Fahrzeug-Business bei Mercedes-Benz P. Christensen. Ein starker Praxisbezug ist für ihn selbstverständlich – geprägt durch Stationen als Kfz-Mechaniker, Flugingenieur bei der Royal Danish Air Force und Produktmanager in der Industrie. Auf Kundenseite verantwortet Jens Roed als Head of Vehicles and Material bei Ambulance Syd Fahrzeuge, Material und Planung. Auch sein Weg ist praxisnah: Elektriker, Feuerwehrmann, Paramedic – unter anderem zwei Jahre im Hubschraubereinsatz – bevor er in die organisatorische Verantwortung wechselte. Beide kennen das operative Geschäft. Beide wissen, dass ein Rettungsfahrzeug mehr ist als die Summe seiner technischen Komponenten. Als 2022 die Neubeschaffung einer größeren Fahrzeuggeneration anstand, war daher früh klar, dass man mehr wollte als die reine Erfüllung von Kriterien. Der Prozess begann mit offenen Gesprächen. Welche Erfahrungen gab es mit der bisherigen Fahrzeuggeneration? Was hatte sich bewährt, wo bestand Optimierungsbedarf? Philipp Deters setzte als Projektmanager auf Seiten von WAS die Anforderungen in Zeichnungen um und überarbeitete diese, bis ein stimmiges Gesamtbild entstand. „Das Problem mit Ausschreibungen ist oft: Schreiben wir alles bis ins letzte Detail hinein, bleibt kein Spielraum. Schreiben wir es nicht hinein, bekommen wir es am Ende vielleicht nicht. Deshalb ist es gut, wenn Partner wie WAS und P. Christensen mit eigenen Ideen kommen, wie wir den Rettungswagen noch besser machen können“, beschreibt Jens Roed die Herausforderung aus Kundensicht.

Ein Prototyp für gute Zusammenarbeit
Die Lösung? Ein Prototyp, der den Prüfungen eines Teams süddänischer Paramedics standhalten musste. Man diskutierte Abläufe, testete Reichweiten vom Betreuersitz aus und hinterfragte Details. Gerade diese Phase erwies sich als entscheidend. Nachdem das gesamte medizinische Equipment eingeladen war, zeigten sich kleinere Anpassungsbedarfe. Nichts Grundsätzliches, aber genau jene Details, die im Einsatzalltag den Unterschied machen. Änderungen konnten umgesetzt werden, bevor die Serienfertigung begann. Für Erno van den Dolder, Vertrieb International bei WAS, liegt darin der Kern des Erfolgs: „Diskussionen sind völlig in Ordnung, wenn man sie gemeinsam und zum richtigen Zeitpunkt führt. Es war ideal, dass Ambulance Syd uns die Möglichkeit gegeben haben, einen Prototypen zu bauen bevor aus Stückzahlen Fakten werden.“ Im Ergebnis kombiniert der Ausbau bewährte WAS-Konzepte mit kundenindividuellen Lösungen. Mit dem erfolgreichen Startschuss für dieses Projekt begann die Auslieferung einer größeren Serie: 30 Fahrzeuge wurden noch 2025 gefertigt und übergeben. Weitere Einheiten folgen 2026 und 2027, insgesamt umfasst der Auftrag 56 Fahrzeuge plus 9 optionale.
Technik, die sich dem Alltag anpasst
Basis der neuen Fahrzeuggeneration ist der Mercedes-Benz Sprinter 417 als Kastenwagen. In Dänemark hat sich dieses Konzept seit Jahren etabliert. Entscheidend war jedoch nicht die Basis allein, sondern deren konsequente Anpassung an die Bedürfnisse der Anwender. Im Mittelpunkt stand die Ergonomie des Arbeitsplatzes. Vom Paramedic-Sitz aus müssen alle relevanten Materialien erreichbar sein. Gleichzeitig galt es, Stauraum robust und langlebig auszulegen, da in der Vergangenheit insbesondere kleinere Komponenten hohen Belastungen ausgesetzt waren. Gemeinsam entstand ein Ausbau, der bewährte WAS-Lösungen mit kundenspezifischen Anpassungen verbindet. Intuitive Steuerungssysteme, ein modularer Innenausbau und klar strukturierte Ablagekonzepte bilden das technische Fundament. Was im Pflichtenheft begann, wurde im Dialog geschärft.

Zusammenarbeit mit Perspektive
Mehrfach reisten Vertreter von Ambulance Syd und Mercedes-Benz P. Christensen nach Emsbüren. Die Besuche dienten nicht allein der Abstimmung technischer Details. Sie schufen Vertrauen. „Man muss sich in die Augen schauen können“, beschreibt Jens Roed die Bedeutung persönlicher Treffen. Gerade in komplexen Projekten ersetze kein digitales Format das direkte Gespräch. Auch Klaus Kjær zeigte sich beeindruckt von der strukturierten Fertigung und der klaren Kommunikation: „Transparenz darüber, was möglich ist und wo Grenzen liegen, erleichtert jede Entscheidung.“ Diese Offenheit prägte den gesamten Projektverlauf. Punkte wurden einmal gründlich diskutiert, anschließend konsequent umgesetzt. Das schuf Sicherheit für alle Beteiligten. Parallel diskutieren die dänischen Regionen derzeit, ob zukünftige Ausschreibungen gebündelt und landesweit organisiert werden können. Dies würde für alle Beteiligten neue Dimensionen bedeuten. Für Jens Roed bleibt die Entwicklung ein fortlaufender Prozess: „Die perfekte Ambulanz existiert nicht, aber mit jedem Projekt rücken wir ihr ein Stück näher. Es ist entscheidend, den Dialog mit den Anwendern aufrechtzuerhalten, mit jenen, die täglich im Fahrzeug arbeiten.“

Diese Grafik ist KI-generiert.
Das dänische Rettungswesen
Dänemark misst von Nord nach Süd 368 km und von Ost nach West 452 km. Wegen seiner Inseln und der zerklüfteten Buchten verfügt das Land über eine verhältnismäßig lange Küstenlinie von 7314 km. Das dänische Gesundheitswesen hat vor allem im Bereich der Digitalisierung und Telemedizin eine Vorreiterrolle. Es gibt jedoch nur noch wenige, sehr große Krankenhäuser in den Städten. Die Transportwege sind deshalb sehr lang. 122 km ins zuständige Krankenhaus sind normal, eine Verlegung ins 259 km entfernte Kopenhagen nicht ungewöhnlich. 90 % der Patienten sollen innerhalb von 15 Minuten vom ersten Rettungsmittel erreicht werden. Eine Anfahrt zu Patienten auf einer der vielen Inseln kann aber auch eine Fahrt auf der Fähre mit einschließen.
Das dänische Rettungswesen hat in den vergangenen zehn Jahren tiefgreifende Veränderungen erlebt. Bis 2014 wurden rund 85 Prozent aller Rettungswachen vom privaten Anbieter Falck betrieben. Wer in Dänemark Feuerwehr oder Notarzt benötigte, rief die „Falckmänner“. Heute ist die Struktur eine andere: Die fünf Regionen – perspektivisch vier – verantworten den Großteil der Notfallrettung in öffentlicher Trägerschaft. Mit dieser sogenannten Rekommunalisierung möchten die Regionen die direkte Kontrolle über Qualität, Personal und Kosten zurückgewinnen und die direkte Integration des Rettungswesens in die Krankenhausstrukturen ermöglichen. Gleichzeitig bleibt Falck weiterhin ein wichtiger und etablierter Partner im dänischen Rettungswesen und ist in mehreren Regionen weiterhin operativ tätig.

Individuelle Rettungswagen: gebaut für Ihre Einsatzrealität
Jeder Einsatzort bringt eigene Herausforderungen mit sich. Deshalb entwickeln wir bei WAS keine Fahrzeuge von der Stange, sondern maßgeschneiderte Rettungswagen, die genau auf Ihre Anforderungen, Ihre Umgebung und Ihre Abläufe abgestimmt sind. Ob Stadt, Land oder Insel – wir liefern passgenaue Lösungen, die im Ernstfall den Unterschied machen.
Ihre Ansprechpartnerin
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